Hadres, Kellertrift
Die Marktgemeinde Hadres liegt im Pulkautal, östlich von Haugsdorf. Wenn man von Kellergassen spricht, muss unweigerlich der Name Hadres fallen. Die Kellertrift – so wird die Kellergasse hier genannt – ist nämlich mit ca. 1,6 km die längste geschlossene Kellergasse des Landes. Es war wahrscheinlich dieser Umstand, dass die Hadreser Kellertrift auch anderweitig berühmt wurde. Das Motiv ziert die erste Euro-Briefmarke Österreichs aus 2002. Und wer erinnert sich nicht an den Gendarmen Simon Polt aus der gleichnamigen Fernsehserie? Einige Szenen wurden unter anderem hier gedreht.
Die zahlreichen Presshäuser und Keller sind meist in einem guten Zustand. Die Kellerbesitzer haben sich auch bei der Renovation Gedanken gemacht, die Ursprünglichkeit der Keller blieb weitgehend erhalten und so kann man von einem stimmigen Ambiente sprechen.
Machen wir uns auf zu einem Spaziergang durch die Hadreser Kellertrift:
Kurz nach Überqueren der Pulkau beginnt die Kellertrift, die sich in nördlicher Richtung zur Ebm hinaufzieht. Anfänglich sind zwischen den Kellern noch Wohnhäuser zu sehen.
In zwei Zeilen, getrennt durch eine Baumreihe reiht sich ein Presshaus an das andere.
Einer der Keller ist als Briefmarkenpräsentationskeller eingerichtet.
Kleine Seitengässchen münden ein, Verbindungswege zu den nahen Weingärten. Bemerkenswert auch die zahlreichen christlichen Symbole in der Kellergasse.
Nun ist die Kellertrift etwas tiefer in die Lösshänge eingeschnitten, stellenweise sind hier die Keller in 2 Etagen angeordnet.
Mancher Keller liegt etwas versteckt unter Bäumen.
Der Rowisch-Keller wurde nicht nach seinem Besitzer benannt.
Der Rowisch (auch Kerbholz) war im Mittelalter, als nur wenige Leute lesen und schreiben konnten, ein Verrechnungsmittel der Schulden und Guthaben, sowie von Lieferungen und Leistungen. Er besteht aus zwei genau zueinanderpassenden Holzteilen. Je Verrechnungseinheit wurde eine Kerbe in den Rowisch eingeschnitten. Jeder der Geschäftspartner bekam einen Teil. Keiner konnte nachträglich manipulieren – der Rowisch war fälschungssicher und somit ein Dokument. Der älteste in Österreich erhaltene Rowisch stammt aus 1642, verwendet wurde er bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Aus der Verwendung lässt sich auch der alte Spruch ableiten: „Etwas auf dem Kerbholz haben“.
Nun wird die Trift etwas flacher, schön renovierte Presshäuser sind zu sehen.
Aber leider ist nicht alles Gold, was glänzt. Es finden sich auch einige Keller, die dringend einer Renovierung bedürfen.
Manchmal ist auch beim Renovieren etwas danebengegangen, dieser Keller ist ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte.
Der letzte steilere Anstieg. Nochmals sind die Keller in Etagen angeordnet.
Bald haben wir das obere Ende der Kellergasse erreicht. Ein schöner Ausblick auf Hadres und den Buchberg.
Zu empfehlen ist noch ein kurzer Spaziergang auf die Ebm, wo sich eine Hubertuskapelle und das Friedenskreuz befinden. Ein Gedenkstein erinnert an die Vertreibung der Südmährer 1945. Ein Picknickplatz lädt zur Rast und man hat einen schönen Ausblick über das Pulkautal.
Ein Besuch der Hadreser Kellertrift lohnt sich in jedem Fall, vielleicht bei der offenen Kellertür oder zum Hadreser Advent Anfang Dezember.
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