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„Der Zug der Zeit“ oder Parkplatz statt Bahnhof - ein Weinviertler Verkehrskonzept?


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#1 Guest_Grizzly_*

Guest_Grizzly_*
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Geschrieben 16 Februar 2010 - 08:47

[I]Dieser Beitrag hätte auch in der Rubrik „Verkehr“ einen guten Platz, dort wurde das Thema Bahn aber schon mehrfach behandelt. Ein kleiner historischer Rückblick mit Bemerkungen zur aktuellen Situation passt jedoch auch ganz gut in die Abteilung „Geschichte und Geschichten“, denn eine Geschichte hat (und ist) die Eisenbahn im Weinviertel allemal. Wenngleich eine traurige…[/I]

Nun hat also der Bürgermeister von Poysdorf endlich „seinen“ Parkplatz für die Landesausstellung - auf Kosten des Poysdorfer Bahnhofs. Dieses letzte intakte Bauwerk, das an einen einstmals wichtigen Verkehrsweg des nördlichen Weinviertels erinnert, soll demnächst abgerissen werden.

Die letzte Weiche wurde längst gestellt. Der Personenverkehr auf der Bahnlinie von Enzersdorf nach Poysdorf ist seit dem 8. August 1977 eingestellt. Kurz darauf waren Schienen und Schwellen abgebaut und Brücken abgebrochen worden. Brüchige Schwellen zwischen Ameis und Poysdorf waren damals als Grund für die Stilllegung ins Treffen geführt worden. Zwischenzeitlich wurde zwar kurzzeitig für die Wiedererrichtung der 9,1 km langen Strecke argumentiert, der Zeitgeist und vor allem wirtschaftliches Desinteresse haben aber das Schicksal der Linie besiegelt.

Die Lokalbahn von Enzersdorf bei Staatz nach Poysdorf war am 6. September 1888 von der Privilegierten Österreichisch-Ungarischern Staats-Eisenbahn-Gesellschaft (StEG) eröffnet worden. Die Verlängerung der Strecke von Poysdorf nach Dobermannsdorf erfolgte am 8. Mai 1907 durch die Niederösterreichischen Landesbahnen. Auch diese 21,5 km sind heute in einem jämmerlichen Zustand, wenngleich sie ohne allzu großen Aufwand noch zu retten wären, wenn man nur wollte. Alle privaten Bahnen, so auch die Poysdorfer Bahn, wurden mit 1. Jänner 1908 verstaatlicht. 1927 erhielt die Strecke einen neuen Oberbau und die Höchstgeschwindigkeit konnte von 30 auf 50 km/h angehoben werden.

1987 hätte ein besonderes Jahr für die ÖBB sein sollen: Die Eisenbahn in Österreich feierte offiziell ihr 150-Jahre-Jubiläum. „Anlass genug, der Bevölkerung die gesamte österreichische Eisenbahngeschichte zu präsentieren,“ schreiben Stefan Schedl und Karl Holzinger auf ihrer eisenbahnhistorischen Homepage. Präsentiert wurde allerdings spätestens seit diesem Zeitpunkt eher der Niedergang des Eisenbahnwesens im Allgemeinen und im Weinviertel im Besonderen. Wie symbolhaft wurde im selben Jahr der Poysdorfer Bahnhof geschlossen.

Das einstmals sehr engmaschige Eisenbahnnetz des Weinviertels war schon in den Jahren davor kräftig gelichtet worden. Entgegen den Sonntagsreden von Politikern und Bahnverantwortlichen folgte 1988, kaum ein Jahr nach dem pompös gefeierten ÖBB-Jubiläum, ein neuerlicher Schlag gegen die Lokalbahnen des Weinviertels. Die Streckenabschnitte Hohenruppersdorf - Dobermannsdorf und Obersdorf - Stammersdorf der Stammersdorfer Lokalbahn wurden ebenso eingestellt wie Gaweinstal - Mistelbach sowie der Personenverkehr der Pulkautalbahn und auf der Strecke zwischen Korneuburg und Hohenau.

Die politischen Entwicklungen in der Tschechischen und Slowakischen Republik seit 1989 wurden ebenso verschlafen, wie wenigstens eine sinnvolle Erhaltung von touristisch nutzbaren Strecken. Im Gegenteil: Marchegg - Bratislava - immerhin eine im Grunde wichtige Anbindung an eine europäische Hauptstadt - ist noch immer eingleisig und ohne Strom, zwischen Laa und Hevlín ist niemand willens, ein paar hundert Meter Gleise zu verlegen, und selbst eine der einstmals wichtigsten Eisenbahnmagistralen Europas, die Nordbahn, die einst auch das Weinviertel mit Hamburg, Berlin, Prag oder Warschau verband, ist inzwischen zu einer Lokalbahn verkommen und der beispielsweise seinerzeit bedeutende Bahnhof Hohenau mit an die 200 Bediensteten und sogar einem nahe gelegenem Hotel ist einer Ein-Mann-Haltestelle gewichen, wo man in der Regel auf Fragen lediglich die Telefonnummer der Zugauskunft erhält.

Der Zug im Weinviertel ist leider abgefahren. Daran ändern auch Draisinen und Nostalgiefahrten unter Dampf nichts. (griz-)



[I]Quellen: [URL]http://www.sehr.org/...istory00000.php[/URL] , [URL]http://www.lobau.org/index.php?mode=56[/URL] , Wikipedia[/I]

[URL="http://www.weinviertel.net/album.php?albumid=133&pictureid=1276"]http://www.weinviert...id=1276&thumb=1[/URL]

[URL="http://www.weinviertel.net/album.php?albumid=133&pictureid=1273"]http://www.weinviert...id=1273&thumb=1[/URL]

[URL="http://www.weinviertel.net/album.php?albumid=133&pictureid=1275"]http://www.weinviert...id=1275&thumb=1[/URL]

Bearbeitet von Grizzly, 16 Februar 2010 - 12:23 .





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