Grizzly
29.09.2009, 22:57
Mit dem Kasanwirt ist eine jahrhundertealte Geschichte verbunden. Schon bald wird nicht mehr davon übrig sein als die Erinnerung.
HOCHLEITHEN. Zwei Jahre musste der Kasanwirt, Wolfgang Portner, auf die Unterschrift unter dem Kaufvertrag warten. Jetzt ist die Entscheidung für eine Raststation am A5-Vollanschluss Hochleithen gefallen.
Auf finanzieller Ebene bedeutet das einen Gewinn, auf emotionaler aber einen herben Verlust. Schweren Herzens räumt Portner das Haus, in dem er seit 30 Jahren gelebt hat und das er 20 Jahre lang als Gastronom leitete. Sein Stiefvater Klaus Gold eröffnete 1980 die erste Pizzeria im Weinviertel unter dem Namen „Claudio“. Portner hat das Gasthaus 1988 übernommen und ihm den ursprünglichen Namen Kasanwirt zurückgegeben.
In der Chronik von Hochleithen wird das „Wirtshaus am Fuße des Hochleithenwaldes“ erstmals 1723 erwähnt. Um 1800 galt dieser Teil der Brünner Straße als einer der verrufensten. Zum Schutz der Reisenden vor Räubern wurde auf der Anhöhe des Hochlei*thenwaldes eine Kaserne errichtet. Freiherr von Trenck und seine Panduren waren dort untergebracht.
Das Gasthaus hieß um 1850 „Kasanschenke“, der Name leitet sich aus den Wörtern „Kasan“ = Kessel, flache Schüssel und „Han“ = Schenke (tartarisch und türkisch) ab. Bedeutende Persönlichkeiten, wie Kaiser Karl IV und Maria Theresia kehrten hier ein.
Aber auch in der neueren Zeit kamen zahlreiche Persönlichkeiten in das Restaurant um neben der Holzofenpizza frische Meeresfrüchte und Fische zu genießen. Darunter der achtfache Motorrad-Weltmeister Valentino Rossi, der seinen ersten WM-Titel 1996 im Kasanwirt feierte.
Portner ist den vielen Stammgästen, die im Laufe der Jahre gekommen sind, dankbar. Das Restaurant lief jahrelang sehr gut und war über die Grenzen Österreichs bekannt. Erst mit dem Bau der Autobahn kam der Einbruch. Als der Kasanwirt im Vorjahr hinter einem Lärmschutzwall verschwand, blieben auch die Gäs*te aus.
Gabi Portner-Trinko blickt zurück: „Wir haben viele schöne Zeiten hier erlebt.“ Sie hat im Lauf der Zeit zahlreiche Anekdoten gesammelt und vor, diese in einem Buch festzuhalten.
Jetzt bleibt ihr nur noch, die letzten guten Tropfen Wein aus dem Keller zu holen, denn der Bagger steht praktisch schon vor der Tür.
Siehe dazu auch das Album von Grizzly http://www.weinviertel.net/album.php?albumid=92
Interessante Details zur Geschichte des Kasanwirts finden sich auch in der Gemeindechronik von Hochleithen.
1806: Das Wachthaus am Kasernenberg war … mit 16 bis 20 Mann einer Kavallerieabteilung zum Schutz der Reisenden auf dieser verrufensten Strecke der Brünner Straße durch den Hochleithenwald besetzt.
1815: Am 6.November wurde im Hochleithenwald der legendäre Räuberhauptmann Grasl erfolglos gejagt.
1845: Am Wachthaus am Kasernenberg lösten nun die Deutschmeister die Kavalleristen ab.
1846: Das Wachthaus oder auch "Kasern" genannt steht leer, da die Gendamerie, die nunmehr zum Schutz der Reisenden eingesetzt werden sollte, die Übernahme des Gebäudes wegen seines schlechten Bauzustandes ablehnte.
1853: Die Finanzverwaltung übernimmt die Kasern.
Ein Brunnenloch erinnert heute noch an das einstige Bestehen der "Kasern". Auch der Flurname "Kaserne" und das Restaurant "Zum Kasanwirt" erinnern noch daran.
Quellen: Die Chronik der Gemeinde Hochleithen, http://tinyurl.com/yb7ft6r (http://tinyurl.com/yb7ft6r); Alexandra Tesar in http://tinyurl.com/yc66lhy
HOCHLEITHEN. Zwei Jahre musste der Kasanwirt, Wolfgang Portner, auf die Unterschrift unter dem Kaufvertrag warten. Jetzt ist die Entscheidung für eine Raststation am A5-Vollanschluss Hochleithen gefallen.
Auf finanzieller Ebene bedeutet das einen Gewinn, auf emotionaler aber einen herben Verlust. Schweren Herzens räumt Portner das Haus, in dem er seit 30 Jahren gelebt hat und das er 20 Jahre lang als Gastronom leitete. Sein Stiefvater Klaus Gold eröffnete 1980 die erste Pizzeria im Weinviertel unter dem Namen „Claudio“. Portner hat das Gasthaus 1988 übernommen und ihm den ursprünglichen Namen Kasanwirt zurückgegeben.
In der Chronik von Hochleithen wird das „Wirtshaus am Fuße des Hochleithenwaldes“ erstmals 1723 erwähnt. Um 1800 galt dieser Teil der Brünner Straße als einer der verrufensten. Zum Schutz der Reisenden vor Räubern wurde auf der Anhöhe des Hochlei*thenwaldes eine Kaserne errichtet. Freiherr von Trenck und seine Panduren waren dort untergebracht.
Das Gasthaus hieß um 1850 „Kasanschenke“, der Name leitet sich aus den Wörtern „Kasan“ = Kessel, flache Schüssel und „Han“ = Schenke (tartarisch und türkisch) ab. Bedeutende Persönlichkeiten, wie Kaiser Karl IV und Maria Theresia kehrten hier ein.
Aber auch in der neueren Zeit kamen zahlreiche Persönlichkeiten in das Restaurant um neben der Holzofenpizza frische Meeresfrüchte und Fische zu genießen. Darunter der achtfache Motorrad-Weltmeister Valentino Rossi, der seinen ersten WM-Titel 1996 im Kasanwirt feierte.
Portner ist den vielen Stammgästen, die im Laufe der Jahre gekommen sind, dankbar. Das Restaurant lief jahrelang sehr gut und war über die Grenzen Österreichs bekannt. Erst mit dem Bau der Autobahn kam der Einbruch. Als der Kasanwirt im Vorjahr hinter einem Lärmschutzwall verschwand, blieben auch die Gäs*te aus.
Gabi Portner-Trinko blickt zurück: „Wir haben viele schöne Zeiten hier erlebt.“ Sie hat im Lauf der Zeit zahlreiche Anekdoten gesammelt und vor, diese in einem Buch festzuhalten.
Jetzt bleibt ihr nur noch, die letzten guten Tropfen Wein aus dem Keller zu holen, denn der Bagger steht praktisch schon vor der Tür.
Siehe dazu auch das Album von Grizzly http://www.weinviertel.net/album.php?albumid=92
Interessante Details zur Geschichte des Kasanwirts finden sich auch in der Gemeindechronik von Hochleithen.
1806: Das Wachthaus am Kasernenberg war … mit 16 bis 20 Mann einer Kavallerieabteilung zum Schutz der Reisenden auf dieser verrufensten Strecke der Brünner Straße durch den Hochleithenwald besetzt.
1815: Am 6.November wurde im Hochleithenwald der legendäre Räuberhauptmann Grasl erfolglos gejagt.
1845: Am Wachthaus am Kasernenberg lösten nun die Deutschmeister die Kavalleristen ab.
1846: Das Wachthaus oder auch "Kasern" genannt steht leer, da die Gendamerie, die nunmehr zum Schutz der Reisenden eingesetzt werden sollte, die Übernahme des Gebäudes wegen seines schlechten Bauzustandes ablehnte.
1853: Die Finanzverwaltung übernimmt die Kasern.
Ein Brunnenloch erinnert heute noch an das einstige Bestehen der "Kasern". Auch der Flurname "Kaserne" und das Restaurant "Zum Kasanwirt" erinnern noch daran.
Quellen: Die Chronik der Gemeinde Hochleithen, http://tinyurl.com/yb7ft6r (http://tinyurl.com/yb7ft6r); Alexandra Tesar in http://tinyurl.com/yc66lhy