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Charlemagne
15.07.2009, 16:28
LuH: „In dieser Form vermutlich nicht mehr“

LAND UM HOLLABRUNN / Quo vadis, Land um Hollabrunn? Auch Wullersdorf will jetzt Sinnhaftigkeit des Vereins hinterfragen.


„Wir werden weiterhin zusammenhalten“, hat Vereinsobmann Günther Bradac nach der überraschenden Austrittsankündigung von Göllersdorf aus dem Land um Hollabrunn (LuH) zu Protokoll gegeben. Ganz so leicht, wie es sich der Guntersdorfer Bürgermeister wünscht, wird dieser Abgang aber wohl nicht zu verkraften sein.
„Es muss nicht das Aus sein, aber wenn eine Gemeinde austritt, möchten wir jetzt zumindest einmal die Diskussion eröffnen und hinterfragen“, sagt Wullersdorfs Vizebürgermeister Richard Hogl. Mehr als 11.000 Euro zahlt seine Gemeinde jährlich an das LuH und Hogl verhehlt nicht, dass es intern Kritik gibt. „Die Napoleon-Geschichte hat allen schwer auf den Magen geschlagen. Ich will nicht mit dem Dreschflegel reinfahren, aber es sind jetzt manche skeptisch, die sich anfangs sehr engagiert haben. Man könnte einen Austritt sicher rechtfertigen.“

Wullersdorf will debattieren, Grabern auch „Frage stellen“
Kein gutes Bild mache außerdem, dass der Göllersdorfer Austritt für alle Beteiligten wie aus heiterem Himmel kam. Im Wullersdorfer Gemeinderat möchte Hogl das Thema jedenfalls zur Debatte bringen. Positives weiß er vom 1998 gegründeten Verein dann aber doch auch zu berichten: Heuer ist es gelungen, dass die Einladungen für den traditionsreichen Bauernjahrmarkt über das LuH organisiert werden.
Auch Graberns Bürgermeister Herbert Leeb wurde vom Göllersdorfer Abschied überrascht. Vor allem deshalb, weil in den letzten Monaten neue Ideen entstanden seien, in die auch sein Kollege Josef Reinwein eingebunden war. „Das letzte Gespräch ist zwei Monate her und dann lese ich, dass es in Göllersdorf schon seit Anfang des Jahres einen Ausschuss gegeben hat, der sich mit dem Austritt beschäftigt …“

„Wir werden uns auch die gleiche Frage stellen – wie es künftig ausschauen kann“, räumt Leeb ein. Ob er glaubt, dass es den Verein in Zukunft weiter geben wird? „In dieser Form vermutlich nicht mehr.“
Mit Abstand größter Beitragszahler ist Hollabrunn. Bürgermeister Helmut Wunderl weilt auf Urlaub, Stadtamtsdirektor Franz Stockinger bricht indes eine Lanze für das LuH: „Ich könnte mir ein Leben ohne Kleinregion nicht vorstellen. Die Leistungen sind sehr erwähnenswert, auch wenn man das nicht immer am ersten Blick sieht“, spielt er auf „viele kleine Bausteine“ wie etwa auf das Einfädeln der mittlerweile weithin bekannten Weingüter Weinviertel an. Aber natürlich sei es nicht förderlich, dass der Verein nun ohne seinen zur Volkskultur gewechselten Manager Didi Jäger auskommen müsse.

„Verregnetes Napoleon-Fest hängt uns immer noch nach“
Finanzstadtrat Karl Bachmayer, der auch im LuH-Vorstand auf die Wirtschaftlichkeit achten „darf“, versucht zu beschwichtigen. „Die Situation in Göllersdorf war immer ein bisschen gespannter.“ Trotzdem sei wichtig, die (übrigen) Partner unter einem Hut zu behalten. Auch aufgrund der Finanzen, die man gemeinsam in den Griff bekommen müsse und für die man auch gemeinsam hafte: „Das verregnete Napoleon-Fest 2007 hängt uns heute noch nach.“

Die Kleinregion sei nun einmal ein schwieriges Terrain. „Aber Günther (Anm.: Obmann Bradac) ist ein Kämpfer. Ich hoffe, er übersteht die Turbulenzen“, sagt Bachmayer und nimmt alle Bürgermeister in die Pflicht. Denn ob die Kleinregion Früchte trägt, „liegt schon an den Führungspersonen in den einzelnen Gemeinden“. Szene.Keller in Nappersdorf hat jedenfalls gezeigt, wie gut es funktionieren kann. Hier hat sich ein bestehendes Kellergassenfest zu einem wahren Kultur-Highlight im Sommer gemausert.

„Ich habe immer dafür plädiert, ein gemeinsames gemeindeübergreifendes Projekt, welches eine einzelne Gemeinde nicht in Angriff nehmen kann, umzusetzen“, sagt Bürgermeister Werner Gössl. Für ihn kam der Austritt von Göllersdorf aus dem LuH ebenfalls überraschend: „Bei einer Klausur der sechs Bürgermeister im Frühjahr haben wir eine eindeutige Linie für die Zukunft festgelegt.“

Einvernehmliche Einigung, Einsparungen zu treffen
Welche Folgen der Austritt Göllersdorfs für die Zukunft des Vereins mit sich bringen wird, ist auch für Gössl derzeit nicht absehbar: „Auf Grund der mangelnden Unterstützung des Landes NÖ bei den Abwicklungen der LuH-Projekte, im Speziellen Napoleon, das unsere Kleinregion über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt gemacht hat, ist es zu einer schwierigen finanziellen Situation gekommen“.
Darum einigten sich alle LuH-Bürgermeister bei ihrer Klausur „einvernehmlich, Einsparungen zu treffen, um das Finanzloch zu stopfen. Gössl betont: „Alle, die nun Austrittsgelüste haben, werden sich damit nicht aus der Verantwortung der Altlasten entlassen.“


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