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Helmut71
04.05.2009, 11:27
Weiter Diskussion gibt es um den Lobau-Tunnel.



Auf Einladung der BürgerInitiative Marchfeld – Groß-Enzersdorf (BIM) referierte Tunnelexperte Univ.-Lektor OSR Dr. Otto Widetschek zum Thema „Lobau-Tunnel: Warten, bis es kracht?“.
GROSS-ENZERSDORF (mg). Dr. Otto Widetschek, Präsident des Brandschutzforums Austria, ehemaliger Branddirektor von Graz und Berater in Sicherheitsfragen für den Plabutsch-Tunnel, ortet große Probleme beim Lobau-Tunnel vor allem bei der Fluchtwegsituation und der Lüftung.
„Nicht nur was technisch machbar ist, darf realisiert werden, sondern was im Ernstfall technisch beherrschbar ist“, so der Tunnelsicherheitsexperte Österreichs.
Univ.-Lektor OSR Dr. Otto Widetschek ließ die großen Tunnelkatastrophen der letzten Jahrzehnte Revue passieren. Traurige Tatsache dabei: Tunnelbrände sind kaum beherrschbar. Für die Einsatzkräfte und Unfallopfer im Tunnel sind solche Szenarien blanker Horror. In einem Tunnel dauert es nur fünf Minuten, bis ein Brand die Temperatur von 1200 Grad erreicht. Ein Vordringen der Feuerwehr ist unter diesen Bedingungen nicht möglich.
Widetschek kritisierte in diesem Zusammenhang die „Rette dich selbst“-Mentalität, die bei Österreichs Tunnelplanern vorherrsche. Beim Tunnelbau mache man das Wichtigste nicht: automatische Löschanlagen, Betriebsfeuerwehren in ständiger Bereitschaft und mit der entsprechenden Ausrüs­tung, redundante Systeme für Strom- und Wasserversorgung u.a. fielen dem Kostendenken zum Opfer.
Auch die Gefahren, die den Anrainern im Falle eines Brandes drohen würden, beschäftigten das Publikum. Es müssten Katastrophenalarmpläne gemacht werden, um die Leute jederzeit verständigen zu können, so der Sicherheitsexperte. Die Einwohner in einem bestimmten Umkreis müssten sofort alle Fenster schließen und in ihren Häusern bleiben. Alternativ wäre auch eine Evakuierung möglich.
Probleme beim Lobau-Tunnel ortet Widetschek vor allem bei der Fluchtwegsituation und der Lüftung: „Ich glaube, es ist nicht machbar, nur über die Portale zu entlüften.“
Die Fluchtwege sind so geplant, dass man alle 250 m über Querstollen in die Gegenfahrbahn-Tunnelröhre flüchten kann. In den Querschlägen sind aber keine Schleusen vorgesehen, so könnte Rauch in die zweite Röhre eindringen.
Hohes Gefälle
Probleme könnte es auch mit auslaufenden Stoffen, etwa Diesel, geben. Das Auffangbecken für solche Umweltgifte ist im Süden des Tunnels geplant, das bedeutet, dass bei der größten Steigung hoch gepumpt werden müsste. Es gäbe in Österreich keinen Tunnel mit einem vergleichbar hohen Gefälle.
Die Beurteilung von Dr. Widetschek zum Lobau-Tunnel: „Ich bin der Meinung, dass man versuchen sollte, andere Lösungen zu finden. Denn Riesenbauten sind durch Menschen nur schlecht beherrschbar.“


Quelle: meinbezirk.at

Link: www.s1-bim.at (http://www.s1-bim.at)