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Adventure-Dogs
14.03.2009, 00:25
Zwar ist dieser Wanderbericht schon etwa eineinhalb Jahre alt, aber noch immer gültig und nachahmenswert, denke ich. Viel Spaß beim Schmökern!



Von Stetten in die Leiser Berge


Das Weinviertel ist keine spektakuläre Landschaft. Großteils ehemaliger Meeresboden, wird es nur von ein paar Höhenrücken durchzogen, deren Gipfel allerdings mit wenigen hundert Metern nicht der Rede wert sind. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist dieser Teil Niederösterreichs für das Auge nicht unattraktiv; seine ruhigen, fließenden Formen strahlen eine unaufdringliche Ruhe aus, die besonders bei längeren Wanderungen direkt auf die Seele des Menschen wirkt, der es durchquert.
Stetten, der Ausgangspunkt unserer Wanderung, liegt etwa fünf Kilometer von der Bezirkshauptstadt Korneuburg entfernt, also gar nicht weit von den Ausläufern der Donauauen, was wir als Anlass nahmen, diese Wanderung als Verbindung zwischen den Wäldern am Wasser und den Wäldern auf den Höhen zu sehen. Die Leiser Berge, das Ziel unserer Tour, liegen etwa in der Mitte des Weinviertels. Die Landschaft dieses Kalkhügelzuges ist geprägt von steppenartigen Trockenwiesen, artenreichen Eichenwäldern und abwechslungsreichen Ackerrieden. Auf dem Buchberg, der höchsten Erhebung der Gegend, befindet sich die am tiefsten gelegene Schutzhütte des Österreichischen Alpenvereins, viele der umgebenden Hügel waren aber schon vor Jahrtausenden befestigt und boten lebensnotwendigen Ausblick in die weiter östlich gelegenen Gebiete, durch die nicht selten in der Geschichte Eroberer in das heutige Weinviertel eindrangen.
Von unserem Haus am Stetter Berg, einem Vogelschutzgebiet, das 48 Vogelarten Heimat bietet (unter ihnen auch mittlerweile leider seltene wie Wachtel, Rebhuhn und Nachtigall), führte uns der Österreichische Weitwanderweg 07 durch dichte Wälder, was an diesem sonnigen Vormittag gar nicht unangenehm war – vor allem die Hunde schätzten ein bisschen Schatten sehr und trabten munter drauf los. Eine erste, kleine Rast legten wir in Manhartsbrunn, nach etwa fünf Kilometern ein. Wir alle tankten Flüssigkeit und wanderten durch den Ort und an der weiter Richtung Kreutwald führenden Straße entlang. Die Hunde waren begeistert: Die Feldmäuse tummelten sich in Massen an den Feldrändern entlang der Straße. Auf diese Art und Weise legten Rashka und Ronja diesen Teil der Wanderung großteils in Jagdsprüngen zurück – was für uns, die wir am anderen Ende der Leine hingen, nur das halbe Vergnügen darstellte. Am Mühlradsberg zweigten wir wieder in den Wald ab, wo wir auch zügig auf dem Höhenrücken zum Glockenberg wanderten. Dort legten wir wieder eine kurze Pause ein, da wir wussen, dass der nächste Teil der Strecke uns etwas steiler bergab und dann bergauf führen würde. An der barocken Luisenmühle vorbei führte unser Weg ein kurzes Stück durch das malerische Kreutal und dann etwa zwei Kilometer bergauf in das entzückende Dorf Hornsburg, das in der Gegend besonders für seinen Blumenschmuck bekannt ist, und wo wir am Ortseingang an einem öffentlich zugänglichen Wasseranschluss unsere Trinkvorräte auffüllten sowie Rashka und Ronja mit Flüssigkeit versorgten. Anschließend wanderten wir weiter entlang der Straße bergauf und dann erneut durch ein wild verwachsenes, aber sehr romantisches Waldstück nach Groß Rußbach, wo wir die Hunde erneut mit Wasser und uns mit etwas Eis stärkten. Mittlerweile war die Wolkendecke sehr dicht geworden, auch vereinzelte Regentropfen waren schon zu spüren, was aber weder uns noch den Hunden unrecht war. Die Temperatur war angenehm und ohne die stechende Spätjulisonne wanderte es sich recht beschwingt, auch wenn die nächsten Kilometer wieder an einer (allerdings kaum befahrenen) Straße zurückzulegen waren. Nachdem wir den kleinen Ort Hipples passiert hatten, kamen wir am Gebmannsberg vorbei, wobei wir erneut Rashkas und Ronjas Jagdlust zu spüren bekamen: Die Äcker links und rechts des Weges wimmelten nur so vor Mäusen, Hasen und Rehen.
An einem kleinen Bach entlang wanderten wir zum Kalkwerk Ernstbrunn, wo wir eine erneute kurze Rast einlegten und uns endgültig entschlossen, die Regenjacken anzuziehen. Dies war eine absolut richtige Entscheidung, denn kurz nach unserem erneuten Aufbruch begann es wirklich stark zu regnen. Dementsprechend menschenleer präsentierte sich uns der Ort Ernstbrunn, sonst sicher ein geschäftiger Marktflecken, während unserer Durchreise eher eine Geisterstadt, deren Hauptstraße einem seichten Flüsschen glich. Uns vor der beeindruckenden, alten Kirche rechts haltend und an der Schule vorbei, stapften wir zum kleinen Ort Dörfles, der dem Schloss Ernstbrunn und dem in seinem Areal befindlichen Tierpark vorgelagert ist. Da wir dem öffentlichen Weitwanderweg 07 folgten und dementsprechend davon ausgingen, dass dieser über allgemein zugängliches Gebiet führe, waren wir etwas verwundert, als wir feststellen mussten, dass wir vor verschlossenen Tierparktoren standen, hinter denen die rot-weiß-roten Weitwanderweg-Markierungen deutlich den Berg hinauf führten. Was sollten wir tun? Nach kurzem Überlegen entschlossen wir uns nach einem Blick auf unsere Wanderkarte und gestärkt durch ein wenig Vertrauen in unseren Orientierungssinn einfach durch den Schlosspark und damit westlich um den Tierpark zu wandern. Zwar war unsere Lust auf Experimente durch den Regen und die 30 Kilometer, die wir bis dahin zurückgelegt hatten, schon etwas gemindert, aber wir hatten wohl keine andere Wahl, wenn wir nach Oberleis, dem Ziel dieser Tour, kommen wollten. Bald fanden wir uns tatsächlich auf der Rückseite der Tiergehege wieder (besonders Ronja fand das richtig berauschend, vor lauter Jagdfieber rannte sie mit dem Kopf voll gegen einen Wildzaun, hinter dem eine ganze Menge Ziegen bis dahin und nachher auch wieder stressfrei zwischen den Bäumen graste). Dort stießen wir auch wieder auf den Weitwanderweg, der uns durch teilweise dicht verwucherten Wald zu unserem Fahrzeug führte, das – wie verabredet - kurz vor Oberleis bereits auf uns wartete.
Ein Bericht über den zweiten Teil der Tour, der uns von Oberleis nach Retz führen wird, folgt natürlich gleich nach seiner Begehung.


Christian & Christopher Vajk

Hier ein paar Schnappschüsse von der Tour:
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