Helmut71
03.04.2008, 19:19
Derzeit läuft in Deutschland, aber auch in Österreich eine intensive Debatte über Biosprit. Ältere Autos dürften den Zusatz nicht vertragen und auch die Umwelteffizienz wird immer wieder in Frage gestellt.
Im Weinviertel ist in Hohenau erst kürzlich ein Biodieselwerk der Firma ABID in Betrieb gegangen, das Bioethanolwerk in Pischelsdorf bei Tulln soll im Juni in Betrieb gehen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob diese Technologie überhaupt zukunftsträchtig ist...
Nachdem Deutschland offenbar vor einer Abkehr vom Biosprit steht, werden nun auch die Rufe in Österreich immer lauter, die Beimengung von Biosprit zu stoppen. Die Grünen, die Arbeiterkammer (AK) und die Autofahrerclubs fordern allesamt eine Rücknahme der Beimischungsziele von Agrartreibstoffen. Auch die SPÖ will zumindest eine Nachdenkpause.
Wie berichtet plant Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll (ÖVP) eine Beimischungsquote von zehn Prozent bis zum Jahr 2010, während die EU diesen Beimischungsgrad bis 2020 vorsieht. In Deutschland, wo ebenfalls bereits 2010 anvisiert wird, wird es voraussichtlich zu einer Verschiebung kommen, teilte der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel am Mittwoch mit.
Solar statt Agrar
"Statt auf industrielle Agrotreibstoffe zu setzen, wäre es ein Gebot der Stunde, Energieeffizienz, Solartechnologie und ökologischen Landbau zu forcieren", betonte am Donnerstag der grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber.
Nicht genügend Ackerland
Die EU benötige für ihr Biospritziel 18 Mio. Hektar Ackerland, es stünden aber nur sieben Mio. Hektar an Stilllegungsflächen zur Verfügung. Der Rest müsste der Getreideproduktion für Lebens- und Futtermittel entzogen oder durch Importe gedeckt werden.
"Dies ist völlig unrealistisch, da schon jetzt Engpässe am Futtermittelsektor bestehen, obwohl die EU ohnehin mehr als 40 Millionen Tonnen Futtermittel aus Drittstaaten einführt", so Pirklhuber. Die Grünen haben zu dem umstrittenen Thema am 18. April zu einer parlamentarischen Enquete "'Bio'-Treibstoffe: Bedrohung oder Segen?" geladen.
AK: "Biosprit-Front bröckelt"
Die AK meinte, die "Biosprit-Front bröckelt", und forderte eine "sofortige Kehrtwende in der österreichischen Agrotreibstoff-Politik".
"Deutschland will auf die geplante Beimischung von zehn Prozent Bioethanol verzichten, weil vor allem ältere Autos den hohen Anteil im Sprit nicht vertragen. Damit hat die falsche Biospritpolitik einen wichtigen Fürsprecher verloren", so Maria Kubitschek, Leiterin des Wirtschaftsbereiches in der AK Wien.
Teure Klimaschutzmaßnahme
"Gerade in Zeiten rasant steigender Lebenshaltungskosten muss der Preistreiber Biosprit weg." Hinzu komme, dass die Biosprit-Beimischung eine extrem teure Klimaschutzmaßnahme sei, so die AK. Mit der Wärmedämmung von Wohnhäusern etwa könne der CO2-Ausstoß viel billiger verringert werden.
SPÖ für Diskussion
Auch die SPÖ forderte zumindest eine Nachdenkpause: "Es ist längst überfällig, dass eine grundsätzliche Diskussion über die Auswirkungen von agrarischen Treibstoffen geführt wird", so SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr. Immer mehr Staaten kämen zur Einsicht, dass diese keineswegs das "Allheilmittel im Kampf gegen den Klimawandel" seien.
Bayr fordert daher eine Nachdenkpause und ein Moratorium für das Zehnprozentziel der EU bei Agrotreibstoffen.
Bauernbund beharrt auf Agrosprit
Völlig anderer Meinung ist dagegen der ÖVP-Bauernbund. Die geplante Anhebung der Beimengung müsse kommen. Diese sei eine zusätzliche Einkommensquelle für die Landwirte. Ein Stoppen des Programms würde zudem Österreich beim Klimaschutz zurückwerfen.
Bauernbund-Chef Fritz Kaltenegger widersprach auch der Kritik, Biosprit treibe die Lebensmittelpreise in die Höhe. Derzeit würden nur 1,5 Prozent der Getreideernte in der EU für die Biotreibstoffproduktion verwendet.
Quelle: orf.at
Im Weinviertel ist in Hohenau erst kürzlich ein Biodieselwerk der Firma ABID in Betrieb gegangen, das Bioethanolwerk in Pischelsdorf bei Tulln soll im Juni in Betrieb gehen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob diese Technologie überhaupt zukunftsträchtig ist...
Nachdem Deutschland offenbar vor einer Abkehr vom Biosprit steht, werden nun auch die Rufe in Österreich immer lauter, die Beimengung von Biosprit zu stoppen. Die Grünen, die Arbeiterkammer (AK) und die Autofahrerclubs fordern allesamt eine Rücknahme der Beimischungsziele von Agrartreibstoffen. Auch die SPÖ will zumindest eine Nachdenkpause.
Wie berichtet plant Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll (ÖVP) eine Beimischungsquote von zehn Prozent bis zum Jahr 2010, während die EU diesen Beimischungsgrad bis 2020 vorsieht. In Deutschland, wo ebenfalls bereits 2010 anvisiert wird, wird es voraussichtlich zu einer Verschiebung kommen, teilte der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel am Mittwoch mit.
Solar statt Agrar
"Statt auf industrielle Agrotreibstoffe zu setzen, wäre es ein Gebot der Stunde, Energieeffizienz, Solartechnologie und ökologischen Landbau zu forcieren", betonte am Donnerstag der grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber.
Nicht genügend Ackerland
Die EU benötige für ihr Biospritziel 18 Mio. Hektar Ackerland, es stünden aber nur sieben Mio. Hektar an Stilllegungsflächen zur Verfügung. Der Rest müsste der Getreideproduktion für Lebens- und Futtermittel entzogen oder durch Importe gedeckt werden.
"Dies ist völlig unrealistisch, da schon jetzt Engpässe am Futtermittelsektor bestehen, obwohl die EU ohnehin mehr als 40 Millionen Tonnen Futtermittel aus Drittstaaten einführt", so Pirklhuber. Die Grünen haben zu dem umstrittenen Thema am 18. April zu einer parlamentarischen Enquete "'Bio'-Treibstoffe: Bedrohung oder Segen?" geladen.
AK: "Biosprit-Front bröckelt"
Die AK meinte, die "Biosprit-Front bröckelt", und forderte eine "sofortige Kehrtwende in der österreichischen Agrotreibstoff-Politik".
"Deutschland will auf die geplante Beimischung von zehn Prozent Bioethanol verzichten, weil vor allem ältere Autos den hohen Anteil im Sprit nicht vertragen. Damit hat die falsche Biospritpolitik einen wichtigen Fürsprecher verloren", so Maria Kubitschek, Leiterin des Wirtschaftsbereiches in der AK Wien.
Teure Klimaschutzmaßnahme
"Gerade in Zeiten rasant steigender Lebenshaltungskosten muss der Preistreiber Biosprit weg." Hinzu komme, dass die Biosprit-Beimischung eine extrem teure Klimaschutzmaßnahme sei, so die AK. Mit der Wärmedämmung von Wohnhäusern etwa könne der CO2-Ausstoß viel billiger verringert werden.
SPÖ für Diskussion
Auch die SPÖ forderte zumindest eine Nachdenkpause: "Es ist längst überfällig, dass eine grundsätzliche Diskussion über die Auswirkungen von agrarischen Treibstoffen geführt wird", so SPÖ-Umweltsprecherin Petra Bayr. Immer mehr Staaten kämen zur Einsicht, dass diese keineswegs das "Allheilmittel im Kampf gegen den Klimawandel" seien.
Bayr fordert daher eine Nachdenkpause und ein Moratorium für das Zehnprozentziel der EU bei Agrotreibstoffen.
Bauernbund beharrt auf Agrosprit
Völlig anderer Meinung ist dagegen der ÖVP-Bauernbund. Die geplante Anhebung der Beimengung müsse kommen. Diese sei eine zusätzliche Einkommensquelle für die Landwirte. Ein Stoppen des Programms würde zudem Österreich beim Klimaschutz zurückwerfen.
Bauernbund-Chef Fritz Kaltenegger widersprach auch der Kritik, Biosprit treibe die Lebensmittelpreise in die Höhe. Derzeit würden nur 1,5 Prozent der Getreideernte in der EU für die Biotreibstoffproduktion verwendet.
Quelle: orf.at