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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Söhne und Töchter des Weinviertels – Prof. Josef Geissler, Niedersulz



Grizzly
21.11.2009, 22:48
Seine Biografie findet sich noch nicht in Wikipedia, dem sich sonst so allwissend gebenden Internetlexikon. Wenigstens ist dort sein Lebenswerk in unverdient-bescheidenem Rahmen verzeichnet – das Museumsdorf Niedersulz. Die Rede ist von Josef Geissler, dem unermüdlichen Sammler volkskundlicher Gegenstände und „Motor“ des einzigartigen Freilichtmuseums.

Große Worte sind aber ohnehin nicht sein Metier, eher der achtsame und respektvolle Umgang mit alten Gerätschaften, Gegenständen des täglichen Gebrauches, Werkzeugen und Devotionalien und vor allem mit der Baukultur des Weinviertels.

Angefangen hat alles am Bauernhof der Familie Geissler. „Der Bua ist ganz aus dem Gleis,“ hat Vater Geissler über seinen Josef gemeint, denn der 17jährige hatte, nach mehrmaligen Besuchen im heute nicht mehr existierenden Marchfeldmuseum Weikendorf, die Vision eines eigenen kleinen Heimatmuseums. Josef Geissler begann „altes Graffelwerk“ zu sammeln. Bei manchem seiner Zeitgenossen war er dafür bald als „Spinner“ verschrien. Zuerst räumte er ein altes Bauernhaus voll und erhielt bald darauf das alte Pfarrpresshaus als Ausstellungsgebäude. Doch die Sammlung wuchs weiter und schließlich stellte ihm 1976 die Gemeinde die aufgelassene Volksschule zur Verfügung. Im Schulhof wurde der alte Gemeindestadl als zusätzliche Ausstellungsfläche wieder aufgebaut. Das war die erste Gebäudeübertragung des Josef Geissler.

Im Brotberuf war Josef Geissler jahrelang als Restaurator der Erzdiözese Wien tätig. Vor mehr als 30 Jahren begann er schließlich, abbruchgefährdete Bauernhäuser, aber auch Gaststätten, Kapellen und Kirchen am Ortsrand von Niedersulz entlang des Nexingbachs im Dorfverband wieder aufzubauen. Gerade das ist die Besonderheit des Museums, nämlich die Darstellung eines einzigen Dorfes von beträchtlicher Größe in der Vielfalt seiner Lebensbereiche.

In den Häusern richtete Josef Geissler überdies viele kleine Spezialsammlungen ein. Sonderaustellungen zu bäuerlichen Themen werden periodisch veranstaltet und insgesamt hat sich das Weinviertler Museumsdorf Niedersulz so zu einem Zentrum alter bäuerlicher Kultur von internationalem Ruf entwickelt.

Derzeit bilden 75 Objekte fast aus der gesamten Region ein Dorfensemble mit Dorfplatz, Wegen und Kellergasse. Neben den für das Weinviertel typischen Haken- und Streckhöfen findet man im Museumsdorf Wirtschaftsgebäude, Handwerkshäuser, Taubenkobel, eine funktionsfähige Wassermühle und drei katholische Kirchen bzw. Kapellen. Eine Besonderheit stellt die Lutherische Kapelle aus Niederfellabrunn dar. Im Museumsdorf gibt es ein authentisches historisches Wirtshaus und auf einem Bauernhof werden regional typische Haustiere gehalten. Das gesamte Gelände ist als Naturgarten gestaltet. Es finden sich dort typische Weinviertler Bauerngärten, aber auch alte Obstbaumsorten werden gezogen.

Josef Geissler wurde schon mehrfach geehrt: 1997 erhielt er die Silberne Ehrenmedaille des Landes Niederösterreich, im selben Jahr auch den Hans Kudlich-Preis, 2001 schließlich den vom Bundesprädident Klestil verliehenen Berufstitel Professor. Heuer feierte er seinen 60. Geburtstag. Über sich pflegt er schlicht zu sagen: „Ich bin kein Redner, ich bin ein Handwerker. Und Handwerker sollen arbeiten.“ (griz-)

http://www.weinviertel.net/picture.php?albumid=121&pictureid=1152&thumb=1 (http://www.weinviertel.net/album.php?albumid=121&pictureid=1152)



Quellen: APA, Regionalentwicklungsverein Südliches Weinviertel, Kulturzeitschrift morgen 1/09, Wikipedia

Fideler Mosttrinker
22.11.2009, 12:56
Servus Grizzly!

Vielen Dank für diesen Eintrag! Ich finde es toll, dass Du immer wieder interessante Beiträge bezüglich unseres schönen Landes einstellst. vor allem Einträge über Themen, die nicht vielen - ja ich will fast sagen: nahezu niemandem - geläufig sind.

Lieben Gruß

Der Fidele Mosttrinker

Marchmadl
22.11.2009, 14:35
www.museumsdorf.at

Grizzly
24.11.2009, 23:30
Danke, fideler Mosttrinker, für das Lob, das mich natürlich freut und anspornt zu weiterer Spurensuche!