Helmut71
08.10.2009, 16:12
Der schrittweisen Einstellung von Zugsverbindungen auf der FJ-Bahn stehen Bemühungen von Lokalpolitikern gegenüber.
Bürgermeister wollen FJ-Bahn beschleunigen
WALDVIERTEL / In 1:45 Stunden mit dem Zug von Gmünd in Wien durch Haltestellen-Reduktion bereits ab 2010?
VON DANIEL LOHNINGER
Der NÖN-Exklusiv-Bericht über ein ÖBB-internes Papier, das die schrittweise Einstellung des Zugverkehrs zwischen Sigmundsherberg und Gmünd empfiehlt, war das regionale Gesprächsthema in der Vorwoche. Groß ist die Empörung nicht nur bei den Pendlern, sondern auch in der Politik.
ÖVP-Abgeordneter Dr. Günter Stummvoll, zugleich Obmann der Europa-Plattform, erteilt den Überlegungen der ÖBB eine strikte Absage: „Es ist unvorstellbar, den Personenverkehr auf der Franz-Josefs-Bahn auch nur teilweise einzustellen. Im Gegenteil: Ich gehe davon aus, dass das Angebot in absehbarer Zeit nicht nur attraktiviert, sondern auch ausgebaut werden muss.“
SPÖ-Abgeordneter Konrad Antoni, selbst Eisenbahner, sieht die Situation ähnlich: „Weniger öffentlicher Verkehr, weniger Defizit – dieser falschen Logik folgte der von den ÖBB beauftragte Unternehmensberater. Ich lehne es entschieden ab, dass wir überhaupt Steuergeld für solche Nonsens-Studien ausgeben.“ Gefordert sei allerdings nicht nur die ÖBB, sondern auch das Land NÖ. Ähnlich wie Stummvoll fordert Antoni eine deutliche Attraktivierung der Franz-Josefs-Bahn anstelle der ständigen Angebots-Reduktion.
Vor allem für den internationalen Verkehr stehen die Vorzeichen gut: Die Elektrifizierung des Streckenabschnitts zwischen Ceské Velenice und Ceské Budejovice (Budweis) ist fast abgeschlossen, eine durchgehende Führung von Schnellzügen von Wien über Gmünd nach Prag und weiter nach Berlin wäre technisch wieder möglich. Und, so Antoni: „Die Strecke ist um 80 Kilometer kürzer als die aktuelle Hauptstrecke über die Nordbahn.“ Diesbezüglich verweist ÖVP-Abgeordneter Johann Hofbauer auf Gespräche, die in der Vorwoche mit tschechischen Eisenbahn-Vertretern geführt worden seien: „Eine Wiedereinführung des internationalen Verkehrs auf der FJ-Bahn nach Prag und Berlin war dabei eines der wesentlichsten Themen.“
Ein erster Schritt zu den geforderten Verbesserungen könnte eine bisher einmalige Aktion der Waldviertler Bürgermeister sein. Sie tun sich im Rahmen der EU-Plattform zusammen und fordern eine Attraktivierung der Franz-Josefs-Bahn. Ziel ist es, die Fahrzeit zwischen Wien und Gmünd deutlich zu verkürzen. In einem ersten Schritt ist eine Reduktion der Haltestellen vorgesehen, die bereits mit dem Sommerfahrplan 2010 greifen soll. Dann sollen die schnellsten Verbindungen die Strecke zwischen Wien und Gmünd in 1:45 Stunden bewältigen.
„Es gibt ein klares Bekenntnis der Bürgermeister für die Reduktion der Haltestellen, wenn damit eine deutliche Beschleunigung verbunden ist“, freut sich Stummvoll. Wesentliche Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Busse als Zubringer in das neue Buslinien-System integriert werden. Bis Mitte Dezember soll ein Konzept festgelegt werden, welche Haltestellen bleiben und welche nicht. Mittelfristig fordern die Bürgermeister einen Ausbau der Franz-Josefs-Bahn.
Was die Kritik am schlechten Wagenmaterial angeht, verweist SPÖ-Abgeordneter Konrad Antoni auf ein Gespräch im Verkehrsministerium. Dort sei ihm zugesichert worden, dass mit dem nächsten Fahrplanwechsel die „Schlierenwaggons“ endlich aussortiert und „taugliches Reisezug-Material“ eingesetzt werde.
Die ÖBB-Studie
Der NÖN-Bericht der Vorwoche über Pläne für die Einstellung des Personenverkehrs auf der Schiene zwischen Sigmundsherberg und Gmünd bezog sich auf ein ÖBB-internes Papier, das im Auftrag der Generaldirektion die Einsparungspotenziale im österreichischen Bahnnetz ausloten sollte. Erstellt wurde die Studie von einem renommierten Unternehmensberater, der unter anderem nahe legt, bis 2015 den Personenverkehr auf der Franz-Josefs-Bahn oberhalb von Sigmundsherberg auf Buslinien zu verlegen. Entsprechende Vorstandsbeschlüsse in der ÖBB-Führung gibt es aber noch nicht, die Studie selbst ist aber der ÖBB-Chefetage – zumindest dem Aufsichtsrat – trotz öffentlicher Dementi bekannt.
Quelle: NÖN
Bürgermeister wollen FJ-Bahn beschleunigen
WALDVIERTEL / In 1:45 Stunden mit dem Zug von Gmünd in Wien durch Haltestellen-Reduktion bereits ab 2010?
VON DANIEL LOHNINGER
Der NÖN-Exklusiv-Bericht über ein ÖBB-internes Papier, das die schrittweise Einstellung des Zugverkehrs zwischen Sigmundsherberg und Gmünd empfiehlt, war das regionale Gesprächsthema in der Vorwoche. Groß ist die Empörung nicht nur bei den Pendlern, sondern auch in der Politik.
ÖVP-Abgeordneter Dr. Günter Stummvoll, zugleich Obmann der Europa-Plattform, erteilt den Überlegungen der ÖBB eine strikte Absage: „Es ist unvorstellbar, den Personenverkehr auf der Franz-Josefs-Bahn auch nur teilweise einzustellen. Im Gegenteil: Ich gehe davon aus, dass das Angebot in absehbarer Zeit nicht nur attraktiviert, sondern auch ausgebaut werden muss.“
SPÖ-Abgeordneter Konrad Antoni, selbst Eisenbahner, sieht die Situation ähnlich: „Weniger öffentlicher Verkehr, weniger Defizit – dieser falschen Logik folgte der von den ÖBB beauftragte Unternehmensberater. Ich lehne es entschieden ab, dass wir überhaupt Steuergeld für solche Nonsens-Studien ausgeben.“ Gefordert sei allerdings nicht nur die ÖBB, sondern auch das Land NÖ. Ähnlich wie Stummvoll fordert Antoni eine deutliche Attraktivierung der Franz-Josefs-Bahn anstelle der ständigen Angebots-Reduktion.
Vor allem für den internationalen Verkehr stehen die Vorzeichen gut: Die Elektrifizierung des Streckenabschnitts zwischen Ceské Velenice und Ceské Budejovice (Budweis) ist fast abgeschlossen, eine durchgehende Führung von Schnellzügen von Wien über Gmünd nach Prag und weiter nach Berlin wäre technisch wieder möglich. Und, so Antoni: „Die Strecke ist um 80 Kilometer kürzer als die aktuelle Hauptstrecke über die Nordbahn.“ Diesbezüglich verweist ÖVP-Abgeordneter Johann Hofbauer auf Gespräche, die in der Vorwoche mit tschechischen Eisenbahn-Vertretern geführt worden seien: „Eine Wiedereinführung des internationalen Verkehrs auf der FJ-Bahn nach Prag und Berlin war dabei eines der wesentlichsten Themen.“
Ein erster Schritt zu den geforderten Verbesserungen könnte eine bisher einmalige Aktion der Waldviertler Bürgermeister sein. Sie tun sich im Rahmen der EU-Plattform zusammen und fordern eine Attraktivierung der Franz-Josefs-Bahn. Ziel ist es, die Fahrzeit zwischen Wien und Gmünd deutlich zu verkürzen. In einem ersten Schritt ist eine Reduktion der Haltestellen vorgesehen, die bereits mit dem Sommerfahrplan 2010 greifen soll. Dann sollen die schnellsten Verbindungen die Strecke zwischen Wien und Gmünd in 1:45 Stunden bewältigen.
„Es gibt ein klares Bekenntnis der Bürgermeister für die Reduktion der Haltestellen, wenn damit eine deutliche Beschleunigung verbunden ist“, freut sich Stummvoll. Wesentliche Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Busse als Zubringer in das neue Buslinien-System integriert werden. Bis Mitte Dezember soll ein Konzept festgelegt werden, welche Haltestellen bleiben und welche nicht. Mittelfristig fordern die Bürgermeister einen Ausbau der Franz-Josefs-Bahn.
Was die Kritik am schlechten Wagenmaterial angeht, verweist SPÖ-Abgeordneter Konrad Antoni auf ein Gespräch im Verkehrsministerium. Dort sei ihm zugesichert worden, dass mit dem nächsten Fahrplanwechsel die „Schlierenwaggons“ endlich aussortiert und „taugliches Reisezug-Material“ eingesetzt werde.
Die ÖBB-Studie
Der NÖN-Bericht der Vorwoche über Pläne für die Einstellung des Personenverkehrs auf der Schiene zwischen Sigmundsherberg und Gmünd bezog sich auf ein ÖBB-internes Papier, das im Auftrag der Generaldirektion die Einsparungspotenziale im österreichischen Bahnnetz ausloten sollte. Erstellt wurde die Studie von einem renommierten Unternehmensberater, der unter anderem nahe legt, bis 2015 den Personenverkehr auf der Franz-Josefs-Bahn oberhalb von Sigmundsherberg auf Buslinien zu verlegen. Entsprechende Vorstandsbeschlüsse in der ÖBB-Führung gibt es aber noch nicht, die Studie selbst ist aber der ÖBB-Chefetage – zumindest dem Aufsichtsrat – trotz öffentlicher Dementi bekannt.
Quelle: NÖN